Willkommen in Nietwerder

Märkisches Angerdorf mit Kirche
 
 
 

600 Jahre Nietwerder!

 

Nietwerder sucht Mitstreiter für seine 600-Jahr-Feier                        

 

Das kleine Nietwerder will in diesem Jahr eine große Feier für alle Neuruppiner Ortsteile auf die Beine stellen. Anlass ist die erste Erwähnung des Dorfes vor 600 Jahren. Ortsvorsteher Händel hofft, dass sich die anderen Orte rund um Neuruppin beteiligen. Etwas mehr als 300 Menschen wohnen heute in Nietwerder. Das Dorf ist seit 1993 ein Ortsteil von Neuruppin.
                                     

Der Dreißigjährige Krieg hat Nietwerder hart getroffen. So hart wie das gesamte Ruppiner Land. Mehr als die Hälfte der Bewohner ist am Ende des Krieges tot oder geflohen.

Im Jahr 1624 hatte das Dorf Nietwerder bei Neuruppin immerhin elf sogenannte Hüfner – Bauern mit einigen Hektar Land –, fünf Kossäten, einen Hirten und einen Laufschmied. Ein Vierteljahrhundert später, nachdem die Kriegshorden das gesamte Land in Schutt und Asche gelegt haben, sind fünf der elf Hüfnerstellen wüst, also ohne Besitzer. Das Amt in Alt Ruppin weist die leeren Höfe nach dem Westfälischen Frieden ausgedienten Soldaten zu und Menschen, die die Kriegswirren aus teils weit entfernten Landen nach Nietwerder verschlagen hat.

So steht es jedenfalls in der Chronik des Dorfes, die ein ehemaliger Einwohner des Ortes vor etlichen Jahrzehnten aufgeschrieben hat. Diese Chronik beschäftigt Heidrun und Wolfram Händel zurzeit fast täglich.Die Kirche ist das markanteste Gebäude in Nietwerder. Sie ist gut 150 Jahre alt. 2018 hatte Nietwerder die Kirchweihe groß gefeiert. Auch damals hatte Wolfram Händel (l.) das Fest maßgeblich mit organisiert.       
  

Er ist Ortsvorsteher von Nietwerder, seine Frau leitet den Heimat- und Kulturverein. Zusammen gehören sie zu den Organisatoren der großen Jubiläumsfeier, die Nietwerder für den Herbst plant.

Gegründet wurde das Dorf vermutlich schon im 13. Jahrhundert, erstmals urkundlich erwähnt wird „villa Nietwerde“ allerdings erst später: im Jahr 1420.

„Inzwischen hat sich bei uns ein JVK gegründet“, sagt Wolfram Händel und lächelt wissend. Das „Jubiläumsvorbereitungskomitee“ besteht aus einem knappen Dutzend Frauen und Männern. Zusammen versuchen sie, ein großes Programm für das Wochenende vom 4. bis 6. September auszuarbeiten.

Die 600-Jahr-Feier soll nicht nur ein Fest für Nietwerder werden. „Wir wollen etwas für ganz Neuruppin auf die Beine stellen“, sagt Händel.   

Bis vor einem Jahr haben sich die 13 Neuruppiner Ortsteile dabei abgewechselt, ein jährliches gemeinsames Erntefest für alle auszurichten. Zuletzt wurde es immer schwerer, ein Dorf zu finden, das bereit war, die Organisation zu übernehmen. Im vergangenen Jahr hatte sich dann herausgestellt, dass sich die Idee eines Erntefestes für ganz Neuruppin wohl überholt hat.

Feiern wollen die Dörfer schon noch, da waren sich die meisten Ortsvorsteher einig. Nur eben nicht mehr unbedingt Erntedank.

Nietwerder plant deshalb eine Gründungsfeier für alle. Das Datum Anfang September steht schon lange fest. Länger jedenfalls, als klar ist, dass Nietwerders Nachbarort Wulkow in diesem Jahr das zentrale Erntefest für das ganze Land Brandenburg ausrichten wird. Das soll genau eine Woche nach der 600-Jahr-Feier in Nietwerder stattfinden. Händel nimmt es gelassen: „Ich denke, das sind zwei ganz verschiedene Veranstaltungen.“

Nietwerder braucht Unterstützung

 

Klar ist aber: Nietwerder allein wird das, was sich das Festkomitee vorgenommen hat, nicht stemmen können. Schon allein für den Festumzug am Sonnabend braucht der Ort Hilfe. „Wir haben nur 305 Einwohner“, sagt der Ortsvorsteher. „Da brauchen wir auf jeden Fall die Unterstützung der anderen Ortsteile.“

Im Umzug sollen Szenen aus den vergangenen 600 Jahren zu sehen sein. Manche beziehen sich explizit auf Nietwerder. Andere sind eher allgemein gehalten und könnte auch von anderen Dörfern dargestellt werden. Die große Wolfsplage zum Beispiel, die das Ruppiner Land im 18. Jahrhundert heimgesucht hat.

Das Fest soll am Freitagabend mit Musik und Tanz beginnen. Am Sonnabend, 5. September, ist ab 11 Uhr ein Bühnenprogramm geplant. Kein eingekauftes, sondern eines, das Nietwerder weitgehend selbst gestaltet. „Wir haben viele Talente und spannende Dinge im Dorf“, sagt Heidrun Händel. „Die haben es verdient, gezeigt zu werden.“

Gesucht werden regionale Produkte und Anbieter

 

Rund herum soll es im Ort einen Markt mit Produkten aus der Region geben: Wurst, Gemüse, Honig und allerlei mehr. Noch werden Anbieter dafür gesucht.

Bisher hält sich die Resonanz der anderen Ortsteile auf die Einladung nach Nietwerder in Grenzen. Einzig der Ortsbeirat von Molchow hat in der vergangenen Woche beschlossen, dass es in Nietwerder nicht mitmacht. Wolfram Händel hofft aber noch auf die anderen zwölf Ortsteile und deren Vereine. Noch ist genügend Zeit, etwas auf die Beine zu stellen.

Wer sich an der 600-Jahr-Feier beteiligen möchte, kann sich unter Telefon 03391/398719 oder unter hkvnietwerder@gmx.de melden.

Von Reyk Grunow MAZ Neuruppin